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Am 14.und 15. Mai 1811 fand der erste Nationale Kongress in Paraguay statt unter dem letzten spanischen Gouverneur Bernardo de Velasco, Juan Valeriano Zeballos und José Gaspar Rodriguez de Francia, wobei man die Unabhängigkeit von Spanien beschloss. Einige Tage später, am 17. Juni 1811 wurde ein Regierungsrat mit Fulgencio Yegros als Präsident und Dr.José Gaspar Rodriguez de Francia, Dr.Francisco Javier Bogarin, Hauptmann Pedro Juan Caballero und Dr. Fernando de la Mora als Sprecher gegründet. Beim dritten Nationalen Kongress am 3. Oktober 1814 wurde Dr. Francia zum allein regierenden Diktator der jungen Paraguayischen Republik. Francia war ein absoluter Fanatiker, der sich und andere nichts, aber auch garnichts gönnte. Er nahm täglich aus der Staatskasse zwei Pesos (damals etwa vier US-Dollar) zum persönlichen Gebrauch und für seine Haushaltskosten. Für ihn war Unbestechlichkeit sowie unbedingter Patriotismus und ein gewaltiger Arbeitseifer das Wichtigste. Sein ganzer Hass galt der katholischen Kirche, dem Spaniertum und die Vettelwirtschaft der damaligen gehobenen Klasse, einschliesslich seiner eigenen Familie. In den drei Jahrzehnten seiner Regierungszeit duldete er keinerlei Standesunterschiede, er kannte keine materiellen Vergnügungen oder kulturelle Interessen und regierte sein Land in völliger Abgeschiedenheit. Es gab bei ihm keine Minister, sondern nur drei Sekretäre und er war der absolute Alleinherrscher.
Dr. Francia
Bestand auch nur der Verdacht einer Verschwörung, so wurde sofort das Vermögen derjenigen eingezogen und sie selbst wurden erschossen. Das Einziehen von Vermögen war überhaupt die Lieblingsbeschäftigung von Francia, er konfiszionierte Gold, Silber und Grundbesitz und führte es der Staatskasse zu. Damit der Zustrom in die Staatskasse auch weiter bestehen bleibt, schuf er menschenfeindliche Abgabegesetze. Wer keinen in Paraguay lebenden Erben hatte, verlor sein Vermögen genauso an den Staat, wie die Ein- und die Auswanderer. Er schloss Kirchen und Klöster und vereinnahmte deren Ländereien in die Staatskasse. Als seine Schwester trotz seinem Verbot heiratete, lies er ihren Mann sowie den Priester der die Trauung vollzogen hatte, erschiessen und das Vermögen einziehen und von der Schwester fehlte danach jede Spur. Er selbst hatte eine uneheliche Tochter und da für sie bei seinen zwei Pesos täglichen Gehalts nichts übrig blieb, erlaubte er die Prostitution und seine Tochter verdiente sich ab da ihren Lebensunterhalt als Hure. Für die Spanier und die Mestizen war die Regierungsgewalt Francias eine sehr harte Zeit. Die Überheblichkeit mit der die Spanier und die europäischen Mestizen auf die von ihnen ausgebeuteten Indianer blickten, war ihm zutiefst zuwider. Er belegte jede Heirat die innerhalb der Oberschicht vollzogen wurde, mit so hohen Strafen, das diese den wirtschaftlichen Untergang beider Familien zur Folge hätte. Dadurch verehelichte sich die ganze Oberschicht von nun ab mit den Indianern und alle spanischen Bräuche aus der Kolonialzeit wurden verboten und das Guarani wurde zur Amtssprache. Logischerweise vermischte und verschmolz durch diese harten Massnahmen das paraguayische Volk und entwickelte sich zu dem stolzen, nationalbewussten Paraguayer, wie wir ihn heute kennen.
Carlos Antonio López
Parag. Geld um 1860
Parag.Zeitung um 1860
Carlos Antonio López
Als Francia am 20. September 1840 verstarb, folgten anderthalb eine Anarchie, dann übernahm der Rechtsanwalt Carlos Antonio López die Regierungsgeschäfte, auch er regierte allein und mit diktatorischer Hand, obwohl seine Ziele völlig anders waren als die von seinem Vorgänger. Bereits zwanzig Jahre vor Abraham Lincoln hob er durch ein Gesetz (vom 24.11.1842) die Sklaverei in Paraguay auf, da von Geburt an alle Menschen gleich sind, vor Gott und vor mir. Auch öffnete er wieder die Landesgrenzen, förderte die Einwanderung von ausländischen Spezialisten, lies über 400 Schulen bauen und gründete Zeitungen.
Indem er in ganz kurzer Zeit das paraguayische Heer von 5000 auf 50000 Mann erhöhte, wurde er ein politischer Machtfaktor in Südamerika. Wenn man bedenkt, das der zehnmal so grosse Nachbar nur eine Friedenstruppe von 12500 Mann unterhielt, kann man sich vorstellen, das es zu mancherlei politischen Streitigkeiten und Spannungen mit den Angrenzerländern kam. Paraguay erlangte die Anerkennung der USA, Argentinien und Grossbritannien und es kam durch die Öffnung des internationalen Handels zu einem gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Ausfuhren waren doppelt so hoch wie die Einfuhren und Paraguay war angeblich eines der sichersten Länder der Welt.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Francia blühte aber bei ihm die Vettelwirtschaft, seinen Bruder ernannte er zum Bischof von Asunción und seine Kinder erhielten die höchsten Staatsämter, was kurz nach seinem Tod (10. September 1862) zu schlimmen Folgen führen sollte.
Francisco Solano López
Elisa Lynch
Francisco Solano López
Er war vom Vater Carlos A. López zu seinem Nachfolger bestimmt worden und trat sein Amt als neuer Präsident von Paraguay nach dessen Tod an. Bereits mit 18 Jahren war Francisco Solano General und bereiste ab 1853 Europa, wo er in diplomatischer Mission einige Handelsvertäge abschloss. In Frankreich hatte er am königlichen Hof die in Irland geborene Elisa Lynch kennen und lieben gelernt. Die schöne Abenteuerin begleitete ihn nach Paraguay und lebte in wilder Ehe mit ihm zusammen. Sie feierten rauschende Feste in Asunción, in der damaligen Sommermetropole Areguá und hatten zusammen fünf uneheliche Kinder. Madame Lynch, wie sie von den Paraguayern genannt wurde, förderte die Kunst und die Musik und besass ihr eigenes Theater (der heutige Speisesaal vom Gran Hotel Paraguay in Asuncion) und sie hielt zu Francesco López bis zu seinem Untergang.
Nach seiner Rückkehr aus Europa machte ihn sein Vater zum Kriegsminister und beschwor ihn immer wieder, aussenpolitische Konflikte durch Diplomatie und nicht durch Gewalt zu lösen. Aber der damals gerade 35 Jahre alte Francisco Solano López war ein Heissporn und er war besessen von der Idee, durch Stärke und Macht in Südamerika eine Monarchie zu gründen und er wäre der Führer. Schon sehr bald nach seinem Amtsantritt kam es mit dem angrenzenden Kaiserreich Brasilien zu Konflikten. Da López aufgrund der militärischen Stärke seines Landes nichts auf Diplomatie undKompromisse gab, verbündete sich Brasilien mit Argentinien und Uruguay und der folgende Triple-Allianz-Krieg (Dreier Bündnis Krieg) war vorprogrammiert.
Am 11. November 1864 eröffnete Paraguay den Krieg gegen Brasilien und war am Anfang auch einigemale siegreich. Aber dann kam der gut vorbereitete Gegenschlag im Februar 1868, als die Alliierten die Festung von Humaitá angriffen (am Rio Paraguay, etwa 40 km von Pilar) und belagerten. Der Widerstand der Paraguayer dauerte ein ganzes Jahr, dann kapitulierten sie wegen Hunger und Munitionsmangel. Im Dezember stürmten die alliierten Truppen Lomas Valentinas, im Januar 1869 Asunción und grosse Landesteile und im August erfolgte dann die entscheidente Niederlage bei Curupaity. Durch die jahrelangen Kämpfe wurden die Truppen von López immer mehr aufgerieben, aber das Blutvergiessen ging weiter. Selbst Mitglieder der Familie und Angehörige der Oberschicht, die versuchten den Präsidenten zu überzeugen das der Krieg aussichtslos geworden sei, wurden grausam hingerichtet. Darunter seine eigenen Brüder und der Schwager, Generäle und der Bischof von Asunción sowie seine siebzigjährige Mutter und seine beiden Schwestern wurden grausam ausgepeitscht.
Die Verluste waren auf allen Seiten, besonders natürlich bei den Paraguayern enorm hoch und so kam es, das nach fünfjährigem blutigen Krieg er sein Leben verlor.
Von den 1377.000 Einwohnern des Landes überlebten nur 6.000 Männer, 20.000 Kinder und Greise sowie 200.000 Frauen, das Land wurde um die Hälfte geschrumpft und zurück blieb Hunger, Armut und Elend.
Die Auswirkungen des Triple-Allianz-Krieges waren schrecklich, das einst blühende Land war ausgeblutet. Über eine Million Paraguayer waren tot, das Land von den Siegesmächten besetzt und unter sich aufgeteilt. Paraguay verlor die Hälfte seines Territorium. Am 22. Juni 1876 verliesen die letzten Besatzungstruppen der Alliierten das Land. Nun begann eine neue Zeit des Leidens, ein mörderisches Gerangel um den Posten des neuen Präsidenten setzte ein. Paraguay brachte in der Zeit vom Tod López bis zum Amtsantritt Stroessners im Jahre 1954, also in 84 Jahren, 40 Präsidenten hervor. Viereinhalb Monate nach seinem Amtsantritt wurde der neu gewählte Präsident Juan Bautista Gill zusammen mit seinem Bruder von Anhängern des früheren Aussenministers Dr. Machain auf offener Strasse ermordet. Der Viceminister übernahm daraufhin für ein Jahr die Amtsgeschäfte. Es folgten dann von 1878-80 Präsident Cándito Bareiro, bis 1886 sein Innenminister General Bernardino Caballero, der auch die Partei "Partido Colorado", die heutige Regierungspartei gründete. Dann Präsident Escobar und ab 1890 Juan Gonzales. Ab 1894 übernahm Marcos A. Moringo die Regierung über das zusammengeschrumpfte Volk von 335000 Köpfen, einschliesslich 1400 Soldaten. Es war wiedereinmal eine schlimme Zeit für die Bevölkerung, immer wieder kam es zu Umstürzen, die Sicherheit der Bürger war fast ständig in Gefahr, die Währung war instabil, die Rechtssprechung und die Verwaltung waren nahezu gelähmt. Es kamen von 1881 bis 1891 nur 5957 Einwanderer, darunter 1343 Deutsche.
Juan Bautista Gill
Bernardino Caballero
Die Liste der ehemaligen Präsidenten liese sich fortsetzen, manche waren nur ein paar Tage an der Regierungsspitze und wir wollen nicht alle aufzählen. Als sich das Land so langsam vom Triple-Allianz-Krieg erholte, kam es wieder einmal zu politischen Problemen, diesmal mit Boliven, es ging um die territorialen Ansprüche des Gran Chacos. Nach alten spanischen Kabinettbeschlüssen aus den Jahren 1741 und 1777 hatte der nördliche Nachbar Bolivien die verbrieften Eigentumsrechte an demtrockenen, ödem Savannengebiet. Die Paraguayer hatten aber in den vergangenen Jahrzehnten einige Forts und Verteidigungsstellungen zum Schutz gegen wilde Indianerstämme in dem Gebiet errichtet und beanspruchten nun das Land. Sicherlich wäre der Chaco auch in Zukunft als eine Art von Niemandsland toleriert worden, wenn da nicht auf einmal hartnäckige Gerüchte über grosse Ölvorkommen aufgetaucht wären. Übrigens haben sich diese Gerüchte bis zum heutigen Tag gehalten und immer wieder wird nach Öl gebohrt. Die paraguayische Regierung schob ihre nördlichen Militärposten weiter in den westlichen Chaco vor und die Bolivianer, die nun ebenfalls ein brennendes Interesse an dem öden Landstrich zeigten, stellten ihre Besitzansprüche. So erklärte Paraguay unter Präsident Eusebio Ayala 1932, Bolivien den Krieg der bis 1935 andauerte. Drei Jahre kämpften die Paraguayer gegen einen militärisch und personell weit überlegenen Gegner in der Hölle des Chacos unter furchtbaren Bedingungen. Durch die Unwegsamkeit des Geländes kam es auf beiden Seiten fast ständig zu Nachschubproblemen, es fehlte Trinkwasser, Essen, Medikamenten und an Munition. Malaria, Schlangenbisse, Moskitos, Ameisen, Thyphus und die mörderische Sonne forderten ihre täglichen Opfer. Ganze Bataillone kamen bis auf den letzten Mann durch Durst um.
Ein Erdbunker im Chaco
Paraguayische Soldaten im Chaco-Krieg
Paraguayische Artillerie
Obwohl die Bolivianer personell und Ausrüstungsmässig weit überlegen waren, siegten die Paraguayer in diesem unseligen Krieg. Der Einsatz der bis zur Verzweiflung kämpfenden Paraguayer war beispiellos, einmal griff eine paraguayische Einheit ohne einen einzigen Schuss Munition, nur mit Bajonetten, Knüppel und Spaten, gegen ein voll ausgerüstetes bolivianisches Regiment an, in einem unübersichtlichen Sumpfgelände und machte es unter furchtbaren eigenen Verlusten, vollständig nieder. Insgesamt verloren in diesem Krieg, den die Paraguayer gewannen, 50.000 Paraguayer und 80.000 Bolivianer ihr Leben. Der nachfolgende Friedensvertrag regelte die Gebietsrechte und der Chaco gehört nun zu Paraguay.
Ein paraguayischer Soldat
Paraguayische Luftwaffe im Chaco-Krieg
Paraguayische Artillerie
Paraguayische Luftwaffe
Überreste des Chacokrieges
Paraguayische Artillerie